Ein Geldsystem jenseits aller bekannten Modelle
Geld verliert seine Kapitalfunktion Geld ist nur ein System zur Kooperation. Es ist:
- Nicht an Gold gekoppelt → kein intrinsischer Rohwert.
- Nicht von Zentralbanken verwaltet → keine monetäre Kontrolle oder politische Steuerung.
- Nicht Marktorienitiert → kein Marktpreis, kein Spekulationswert.
- frei von Zins- und zinseszinsfrei → keine exponentielle Kapitalakkumulation.
- Kein Fiat Geld→ Geld ist nicht staatlich garantiert und kann nicht beliebig geschaffen werden.
- Kein Handel → Geld hat keinen externen Preis.
Praktische Konsequenzen für Gesellschaft
Geld wird rein instrumentell, nicht mehr kapitalistisch. Es ist ein Kooperationsmedium, keine Wertanlage. Keine Akkumulation: Machtverschiebung über Geldvermögen entfällt. Stabilität über Ressourcenverteilung: Geld wird nur Mittel zur Organisation der Grundbedürfnisse. Motivation: Menschen arbeiten nicht für Profit, sondern für soziale Anerkennung, Nutzen oder direkte Bedürfnisbefriedigung. Geld als soziale „Software“: Es steuert Verhalten durch Regeln und Ansprüche, nicht durch Marktkräfte oder Rendite. Geld existiert nur noch als Werkzeug, um soziale Ordnung, Subsistenz und Arbeitsteilung zu strukturieren – fast wie ein punktesystemisches Ressourcenzuteilungsinstrument, das direkt an menschliche Bedürfnisse und gesellschaftliche Leistung gekoppelt ist.
Der direkte Vergleich
In so einer Welt wäre nicht einfach alles nur "besser", sondern weit darüber hinaus - weil es grundlegend anders organisiert ist, weil es ganz andere Ziele verfolgt.
1. Existenzsicherung:
von Angst zu Stabilität
Heute
- Lebenssicherheit ist an Einkommen gekoppelt
- Angst vor sozialem Abstieg wirkt als Hauptanreiz
- Arbeit = Überleben
In dieser Welt
- Grundbedürfnisse sind garantiert (Subsistenz)
- Nahrung, Wohnen, Energie, Basisgesundheit sind infrastrukturell gesichert
- Arbeit = Beitrag, Sinn, Entwicklung
2. Arbeit:
von Zwang zur freien Wahl
Heute
- Arbeit dient primär der Einkommenssicherung
- Hoher Anteil an Bullshit-Jobs
- Leistung wird monetär bewertet
In dieser Welt
- Erwerbsarbeit ist entkoppelt von Existenzsicherung
- Tätigkeiten werden nach gesellschaftlichem Nutzen priorisiert
- Leistung misst sich an Wirkung, nicht Gehalt
3. Geld:
von Machtmittel zum Werkzeug
Heute
- Geld = Status, Macht, Sicherheit
- Akkumulation wird belohnt
- Finanzielle Ungleichheit wächst systemisch
In dieser Welt
- Geld ist Rechen- und Koordinationsmittel
- Hortung ist nicht nötig
- Vermögen hat soziale Zweckbindung
4. Wirtschaft:
von Wachstum zu Resilienz
Heute
- BIP-Wachstum als Hauptziel
- Externalisierung von Umwelt- und Sozialkosten
- Fragile globale Lieferketten
In dieser Welt
- Ziel: Wohlergehen + ökologische Stabilität
- Regionale Selbstversorgung (Subsidiarität)
- Redundanz statt Effizienzfetisch
5. Wettbewerb:
von Nullsummenlogik zu Koordination
Heute
- Konkurrenz als zentraler Innovationsmotor
- Gewinner/Verlierer-Logik
- Wissensmonopole
In dieser Welt
- Kooperation ist strukturell überlegen
- Wettbewerb existiert, aber nicht zweckgebunden
- Wissen ist Gemeingut
6. Politik & Macht:
von Zentralisierung zur Eigenverantwortung
Heute
- Entscheidungen oft weit entfernt von Betroffenen
- Lobbyismus verzerrt Anreize
- Kurzfristige Wahlzyklen
In dieser Welt
- Entscheidungen auf niedrigster wirksamer Ebene
- Starke Kommunen & Regionen
- Langfristige Planungshorizonte
7. Bildung:
von Verwertbarkeit zu Entfaltung
Heute
- Bildung als Arbeitsmarktvorsorge
- Standardisierung
- Noten- und Konkurrenzfokus
In dieser Welt
- Bildung frei Verfügbar
- Fokus auf Systemverständnis, Ethik, Kooperation
- Lernen aus intrinsischer Motivation
👉 Menschen lernen um zu verstehen, nicht um zu bestehen.
8. Technologie:
von der Beschleunigungs.- zur Vernunftgesellschaft
Heute
- „Schneller, größer, höher und weiter“
- Technologie folgt Kapitalinteressen
- Hoher Ressourcenverbrauch
In dieser Welt
- Technologie folgt gesellschaftlichem Bedarf
- Bewertung nach Nutzen und Risiken
- Langlebigkeit statt Obsoleszenz
9. Soziale Beziehungen:
von Vergleich zu Verbundenheit
Heute
- Statusvergleiche
- Vereinzelung trotz Vernetzung
- Leistung definiert Wert
In dieser Welt
- Soziale Sicherheit reduziert Vergleichsdruck
- Gemeinschaften gewinnen an Bedeutung
- Wert ≠ Produktivität
10. Zeitwahrnehmung:
von Knappheit zu Präsenz
Heute
- Permanente Zeitknappheit
- Multitasking
- Beschleunigung als Normalzustand
In dieser Welt
- Mehr freie Zeit
- Tiefe statt Geschwindigkeit
- Rhythmen orientieren sich an Menschen & Natur
Eine anikapitalistische Welt - Zentrale Aspekte
Wir brauchen Geld, nur muss es von Zins und Zinseszins befreit werden. Geld darf sich nicht mehr aus der Schuld eines anderen erschaffen oder am Markt orientieren. Geld wird in der Zivilisation 0 nicht gehandelt, Geld hat in der Zivilisation 0 einen schöpferischen Gegenwert und dieser kann nicht entwertet werden. In einer antikapitalistischen Welt verliert Geld seinen heutigen Charakter als zentrales Macht-, Tausch- und Akkumulationsmittel. Sein Wert ist nicht mehr durch Profit, Zinsen oder Kapitalvermehrung bestimmt, sondern – wenn Geld überhaupt noch existiert – durch soziale Funktion und praktische Koordination.
Kein Selbstzweck mehr
Geld dient nicht dazu, „mehr Geld“ zu erzeugen. Es ist kein Kapital, sondern höchstens ein neutrales Werkzeug zur Verteilung oder Buchführung.
Entkopplung von Macht und Besitz
Reichtum verleiht keine strukturelle Macht über andere. Lebensnotwendige Ressourcen (Wohnraum, Nahrung, Bildung, Gesundheit) sind nicht käuflich im marktwirtschaftlichen Sinn, sondern gemeinschaftlich organisiert.
Wert durch Bedürfnisse, nicht durch Markt
Der „Wert“ von Dingen entsteht aus ihrem Gebrauch und ihrer Bedeutung für das kollektive Wohlergehen, nicht aus Angebot, Nachfrage oder Knappheit, die künstlich erzeugt wird.
Bedürfnisorientierte Verteilung (z. B. „jede*r nach Bedürfnissen“)
Material- oder Finanzgutschriften, die nicht gehortet oder vererbt werden können
Gemeingüter-Modelle, in denen Ressourcen frei zugänglich sind
Planung durch demokratische Abstimmung statt Preissignale
Lebens-Wert statt Geld-Wert
Geld hat eher eine rechnerische oder symbolische Funktion – etwa zur Koordination komplexer Prozesse – nicht zur sozialen Abgrenzung..
In einer antikapitalistischen Welt misst Geld nicht mehr den Wert von Menschen, Zeit oder Leben. Der eigentliche Wert liegt in Beziehungen, Bedürfnissen, Solidarität und gemeinsamer Verantwortung, nicht in Zahlen und Nullen auf Konten.
Diese Normen verändern die Ziel- und Steuerungslogik der Finanzwelt fundamental.
1. Normative Grundlagen der Gesellschaft
Die Zivilisation 0 basiert auf vier zentralen Prinzipien:
Utilitarismus
Ziel ökonomischen Handelns ist die Maximierung des aggregierten Wohlergehens (soziale Wohlfahrtsfunktion), nicht die Maximierung individuellen Profits.
Altruismus
Individuen und Institutionen internalisieren positive externe Effekte. Prosoziales Verhalten ist kein Sonderfall, sondern systemisch incentiviert.
Subsidiarität
Entscheidungen werden auf der niedrigstmöglichen funktionalen Ebene getroffen (Haushalt → Kommune → Region → Staat → global).
Subsistenz
Die Sicherstellung grundlegender Bedürfnisse (Nahrung, Energie, Wohnen, Gesundheit) ist vor-ökonomisch garantiert und nicht primär marktabhängig.
2. Transformation der Rolle des Finanzsystems
2.1 Von Kapitalakkumulation zu Kapitalallokation
In klassischen Finanzsystemen ist Kapital:
- knapp,
- renditeorientiert,
- wettbewerbsgetrieben.
2.2 Funktion des Finanzsystems:
- Bewertung gesellschaftlicher Bedarfe
- Allokation realer Ressourcen
- Zeitliche Glättung von Investitionen
- Risikoteilung im Sinne kollektiver Resilienz
3. Veränderungen in zentralen Finanzmechanismen
3.1 Geld
- Inflation wird bewusst niedrig, aber nicht null gehalten, um Hortung zu vermeiden.
- Geldzirkulation ist hoch, da soziale Grundversorgung nicht vom Sparzwang abhängt.
- Geld wird primär Rechen- und Koordinateneinheit.
3.2 Kreditvergabe
Kredite basieren nicht auf maximaler Rückzahlungsfähigkeit, sondern auf:
- gesellschaftlichem Nutzen
- ökologischer Tragfähigkeit
- lokaler Wertschöpfung
- langfristiger Resilienz
Zinsstrukturen:
- nahe Null oder negativ real
- Zinsen fungieren als Risikopreis, nicht als Renditeinstrument
3.3 Investitionen
Investitionsentscheidungen folgen einer multidimensionalen Nutzenfunktion:
[U = f(Wohlbefinden, Nachhaltigkeit, Stabilität, Lernfähigkeit)]
Finanzmärkte bewerten Projekte nach:
- sozialem Impact
- regionaler Selbstversorgung
- Reduktion systemischer Risiken
4. Institutionelle Neuordnung
4.1 Banken
Banken transformieren sich zu:
- öffentlichen oder genossenschaftlichen Infrastrukturen
- regional verankerten Allokationszentren
- datenbasierten Entscheidungsplattformen
- Gewinne werden reinvestiert oder sozial verteilt.
4.2 Finanzmärkte
- Globale Märkte existieren weiterhin
- Derivative Instrumente dienen primär Absicherung, nicht Spekulation
- Systemrelevante Risiken werden präventiv begrenzt
5. Auswirkungen von Subsidiarität & Subsistenz
5.1 Lokale Finanzkreisläufe
- Regionale Währungen oder Zweckguthaben
- Kurze Wertschöpfungsketten
- Reduzierte Abhängigkeit von globalen Kapitalflüssen
5.2 Entkopplung von Existenzsicherung und Erwerbsarbeit
- Grundbedürfnisse sind garantiert
- Finanzielle Entscheidungen sind weniger angstgetrieben
- Risikobereitschaft steigt in Richtung Innovation, sinkt in Richtung Spekulation
6. Verhaltensökonomische Effekte
Empirisch zu erwarten:
- Reduktion von Rent-Seeking
- Höheres Vertrauen → geringere Transaktionskosten
- Geringere Volatilität
- Langfristigere Planungshorizonte
7. Makroökonomische Systemeffekte
- Vermögensungleichheit nimmt strukturell ab
- Finanzkrisen werden selten, da Blasenbildung unmöglich gemacht wird
- Wirtschaftswachstum wird qualitativ (Wohlstand) statt quantitativ (BIP)
8. Zusammenfassung
In einer utilitaristisch-altruistischen, subsidiären und subsistenzorientierten Gesellschaft verwandelt sich die Finanzwelt von einem Wettbewerbs- und Akkumulations-system in ein kollektives Entscheidungs- und Stabilisierungssystem.
In der neuen Gesellschaft wird Kapital primär als Koordinationsinstrument verstanden.
Kapital dient nicht mehr der Vermögenskonzentration, sondern der Effizienz sozialer Nutzenstiftung.
Geld verliert seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel mit Akkumulationslogik.
Spekulative Hochfrequenzmärkte verlieren ihre Funktion und verschwinden weitgehend.
Es wird langsam, robust und lernfähig statt schnell, fragil und extraktiv.
Finanzen verlieren ihre Dominanz über die Gesellschaft und werden zu dem, was sie ursprünglich mal sein sollten: ein dienendes Instrument zur Organisation menschlichen Zusammenlebens.